Von der Routine zur Gestaltung – eine bewusste Neuausrichtung mit 60
Es war nicht geplant. Nicht wirklich. Ein Anruf eines alten Geschäftspartners und Bekannten aus der Gebäudereiniger-Branche. Ein gewohnt professioneller Austausch – über aktuelle Marktentwicklungen und laufende Projekte. Ein typischer Austausch halt – mit wie geht’s, was machst du, und dann die Frage: Kennst du nicht jemanden, der diverse Aufgaben übernehmen kann?
Ich machte einen Vorschlag. Seine Antwort war klar: „Ich kenne die Person, ein toller Mensch. Aber ehrlich gesagt – ich suche jemanden wie dich. Ich will dich in meinem Team.“
Das hatten wir längst abschließend besprochen, dachte ich. Diese Konstellation sollte vom Tisch sein. Nicht nochmal.
Aber manchmal lädt sich in dir etwas auf, und ein einfaches Gespräch wird zum Wendepunkt.
Das Wichtigste in Kürze
Situation: Zwei Jahre Objektleiter im Dreischeibenhaus Düsseldorf. Gut strukturiert, vertrauensvolle Zusammenarbeit, ein fantastisches Team. Aber etwas fehlte mir.
Das Gespräch: Ein alter Bekannter kam zu mir nach Mönchengladbach. Nicht ins Ruhrgebiet, sondern zu mir. Das sagte genug über seinen Ernst.
Die Entscheidung: Nach intensiven Gesprächen, einer Urlaubspause zum Nachdenken und Unterstützung von meinem Mann: Ja, ich nehme die Herausforderung an.
Der Start: 01.07.2026. Neue Niederlassung, neue Aufgaben, neue Energie. Bis dahin: Übergabephase mit fairconcept gebäudeservice bis 30.06.2026.
Zwei Jahre Dreischeibenhaus: Was ich dort gelernt habe
Seit über zwei Jahren betreue ich als Objektleiter im technischen und infrastrukturellen Facility Management das Dreischeibenhaus in Düsseldorf. Das ist kein kleines Projekt – es ist ein Objekt mit Anforderungen, Herausforderungen, Menschen, Systemen und Technik.
Mit dem Real Estate Management arbeite ich eng und vertrauensvoll zusammen. Das ist selten. Das ist wertvoll. Wir haben gemeinsam eine erfolgreiche Zeit erlebt – schöne Erfahrungen und Erlebnisse, die über die reine Verwaltung hinausgehen. Das ist Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Die Mieterschaft im Hause weiß, dass ich mit Rat und Tat zur Seite stehe – nicht als Verwalter, sondern als jemand, der ihre Probleme ernst nimmt und mit ihnen respektvoll Lösungen erarbeitet. Störungsfreiheit des Betriebs war dabei mein oberstes Ziel. Das schafft Vertrauen. Das macht Arbeit zur gemeinsamen Aufgabe.
Mein Team von Haustechnikern ist fantastisch. Nicht weil sie perfekt sind, sondern weil wir vertrauensvoll miteinander arbeiten. Auch unsere Nachunternehmen und Servicepartner – kompetent, zuverlässig, mit Respekt füreinander.
In 28 Monaten bei fairconcept habe ich wahnsinnig viel dazugelernt. Dafür bin ich dankbar – all den Menschen, dem Unternehmen, den Erfahrungen. Das ist aufrichtig gemeint, nicht die übliche Abschiedsfloskeln.
Aber ich muss ehrlich sein: Es fehlte mir etwas. Die permanenten Routineaufgaben, die immer wiederkehrenden Prozesse, die Probleme, die sich nicht lösen lassen – die haben mich müde und traurig gemacht. Nicht das Haus. Nicht die Menschen. Die Situation.
Der Anruf, das Gespräch, die Entscheidung
Als dieser alte Bekannte anrief, sagte ich zunächst nein. Ich habe Urlaub geplant. Die Firma sitzt im Ruhrgebiet, ich in Mönchengladbach. Nicht die besten Voraussetzungen. Und nein, ich fahre nicht mehrmals pro Woche ins Ruhrgebiet. Das macht keinen Sinn.
Kein Problem, sagte er. Lass uns in Mönchengladbach treffen. Ich komme zu dir und sage dir, was ich vorhabe. Nimm dir die Zeit, mich anzuhören, und sag mir dann deine Meinung. Nein kannst du immer noch sagen.
Das sagte etwas Gewaltiges aus. Wenn jemand so viel bereit ist zu geben – werde ich zuhören. Wäre er ein Fremder gewesen, wäre mein Nein sicher gewesen. Aber so – grundsätzlich besteht seit Jahren ein gegenseitiges Vertrauen.
Unser Gespräch war offen und auf Augenhöhe. Wir waren uns nicht in allem einig – jedoch bei den wesentlichen Dingen sprachen wir eine Sprache. Das Angebot musste ich mir wirklich durch den Kopf gehen lassen.
Dabei fiel mir mein Beitrag vom 31.12.2025 ein. Selbstreflexion als Führungskraft und Mensch. Frisch veröffentlicht, noch keine öffentlichen Reaktionen, aber Nachrichten von Weggefährten, von Leuten, die ihn gelesen haben. Mit wertschätzenden, aber auch kritischen Worten.
Ein paar Tage darauf folgte die Vertiefung der Gespräche im Ruhrgebiet. Intensive Diskussionen. Ich begleitete ein weiteres Einstellungsgespräch. Wir zurrten meine Aufgaben fest. Ein Vertrag auf den Tisch. Bedingungen geklärt.
Die Verbindlichkeit der Angebote war unmissverständlich. Sie suchten einen Problemlöser – und jemanden mit Erfahrung. Jemanden, dessen Ecken und Kanten man in der Vergangenheit schon kennengelernt hatte. Einfach mich.
Ich wollte nicht überstürzen. Ich brauchte meinen Urlaub. Ich musste darüber schlafen. Mit meinem Mann darüber sprechen.
Sein Wort war klar: Mach das, was dich glücklich macht. Du weißt, da wird auch vieles nicht deine Begeisterung und Zustimmung finden. Aber im Herzen hast du schon deine Entscheidung getroffen.
Ja. Die Entscheidung war im Bauch und Herz schon gefallen.
Die Zäsur: Verantwortung im Übergang
Meine Kündigung traf viele Menschen hart. Ich spüre deutlich, dass ich die Dienstleistung dort nachhaltig geprägt habe. Dass ich meine Signatur hinterlassen habe. Mein Nachfolger wird in große Fußstapfen treten – das ist eine Frage von Reputation und dem Vertrauen, das ich aufgebaut habe. Das ist kein einfacher Moment. Aber es ist ehrlich.
Mit meinem aktuellen Arbeitgeber, fairconcept, haben wir eine Übergabephase bis 30.06.2026 vereinbart. Es erfolgt eine strukturierte Übergabe aller Aufgaben und Projekte an meine Nachfolge. Auf der operativen Seite stehe ich weiterhin zur Verfügung. Das bin ich schuldig – dem Unternehmen, den Menschen, der Aufgabe selbst.
Der neue Anfang: Was mich erwartet
Am 01.07.2026 starte ich ein neues Kapitel. Gemeinsam mit meinem neuen Arbeitgeber werden wir eine Niederlassung eröffnen und das Geschäft weiter voranbringen. Das ist der Plan.
Bis dahin werde ich Abläufe analysieren, Kalkulationen bearbeiten, Kundengespräche führen. Bereichsleitung sowie Objektleitung begleiten, motivieren und unterstützen – nicht von außen, sondern von innen heraus.
Das ist das, was mich reizt. Nicht die Routine, sondern der Aufbau. Nicht die Verwaltung, sondern die Gestaltung. Nicht die permanente Wiederholung, sondern die Entwicklung.
Wertschätzung – ehrlich gemeint
fairconcept gebäudeservice GmbH und meinem aktuellen Team danke ich aufrichtig. Nicht mit leeren Worten, sondern mit dem Wissen, dass diese 28 Monate echte Lernkurve waren. Die Erfahrung im Dreischeibenhaus, die Menschen, die ich dort getroffen habe – das werde ich mitnehmen. Nicht als Last, sondern als Fundament.
Und meinem neuen Arbeitgeber? Der bereits gezeigt hat, dass er versteht, wie wichtig Respekt und echte Zusammenarbeit sind. Der zu mir kam, statt mich zu ihm zu rufen. Der zuhört, statt zu befehlen. Mit solchen Menschen arbeite ich gerne.
Die unbequeme Wahrheit
Ich habe lange genug in Positionen gearbeitet, in denen ich vorsichtig sein musste. In denen Sicherheit vor Wachstum ging. Das war manchmal notwendig. Manchmal auch bequem.
Aber irgendwann merkst du: Das kostet dich etwas anderes. Deine Energie. Deine Freude. Die Überzeugung, dass du noch mehr geben kannst.
Mit 60 Jahren möchte ich anders arbeiten. An Dingen, bei denen ich wachse. Nicht schrumpfe.
Was ich vermissen werde
Eines werde ich vermissen. Morgens bei Sonnenaufgang in die 22. Etage fahren. Auf der Dachterrasse die Morgenluft einatmen und den Moment der Stille in der großen Stadt genießen.
Das war mein Ritual. Der Moment, in dem ich mit mir selbst im reinen war – bevor der Tag anfing. Das Dreischeibenhaus hat mir da jeden Morgen die Energie gegeben. Das werde ich mitnehmen, als Erinnerung an einen guten Ort.
Das neue Kapitel beginnt im Juli. Bis dahin überführe ich verantwortungsvoll, was ich aufgebaut habe. Das schulde ich fairconcept, meinen Nachfolgern, dem Real Estate und vor allem dem Dreischeibenhaus mit seinen Menschen.
Aber ich bin bereits mit meinen Gedanken woanders. Bei neuen Aufgaben. Bei dem, was ich noch aufbauen kann, bevor ich meine aktive berufliche Laufbahn abschließe.
Manchmal brauchst du nicht einen großen Plan. Manchmal brauchst du nur einen alten Bekannten, der bereit ist, zu dir zu fahren und dem du zuhörst und der dich dabei überzeugt.
Das hat bei mir den Unterschied gemacht.
Links
[1] fairconcept gebäudeservice GmbH ↩
[2] Dreischeibenhaus Düsseldorf ↩
[3] Momeni Group ↩




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