Wie eine LinkedIn-Nachricht zum neuen Job führte
Ein neues Kapitel beginnt manchmal mit einer einzigen Nachricht, mit der niemand rechnet. Bei mir war es eine kurze, freundliche Anfrage meines späteren Vorgesetzten über LinkedIn: ob ich mir eine Position im Facility Management mit deutschlandweiter Verantwortung vorstellen könnte. Kein Bewerbungsportal, kein formelles Anschreiben – ein direkter, persönlicher Kontakt. So hat alles angefangen, und am Ende hat genau dieser eine Kontakt mehr bewirkt als 27 klassische Bewerbungen zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der entscheidende Impuls kam nicht über ein Bewerbungsportal, sondern über eine persönliche Nachricht im eigenen Netzwerk.
- Sorgfalt bei Vertragsdetails und eine realistische Einschätzung der Belastung waren für die Entscheidung genauso wichtig wie das Angebot selbst.
- Parallel liefen 27 klassische Bewerbungen – mit hoher Absage- und Ghosting-Quote und ohne den entscheidenden Treffer.
Eine Nachricht, kein Bewerbungsportal
Die Nachricht kam ohne Umwege: kurz, konkret, ohne Floskeln. Mein späterer Vorgesetzter hatte mein Profil gesehen und fragte direkt, ob eine leitende Position mit deutschlandweiter Verantwortung für einen großen infrastrukturellen Bereich für mich infrage käme. Aus diesem ersten Austausch wurde ein mehrwöchiger Prozess mit mehreren Gesprächsrunden, aus dem Prozess ein Angebot für eine Aufgabe, die fachlich wie strategisch genau in mein Profil passt.
Kein Anschreiben, kein Lebenslauf-Upload in ein Formular, keine automatisierte Eingangsbestätigung. Stattdessen von Anfang an ein Gesprächspartner mit Namen und Gesicht. Die Gespräche liefen von Beginn an auf Augenhöhe: konkrete Fragen zu meiner bisherigen Verantwortung, konkrete Antworten zu Aufgabe, Team und Erwartungen. Kein Prozess, der sich über Monate durch mehrere HR-Schleifen zieht, sondern ein direkter Draht zu der Person, mit der ich künftig zusammenarbeiten werde.
Der verdeckte Weg zum neuen Job
Dass es so gelaufen ist, ist kein Einzelfall. Aktuellen Auswertungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge werden knapp 30 Prozent aller Neueinstellungen über persönliche Kontakte und Empfehlungen realisiert – deutlich mehr als über klassische Stellenanzeigen.1 Persönliche Kontakte sind damit der häufigste einzelne Besetzungsweg, noch vor Zeitungsanzeigen und vielen digitalen Kanälen.
Ein gepflegtes, aktuelles Profil und Sichtbarkeit im eigenen Netzwerk zahlen sich aus. Oft genau dann, wenn man gar nicht aktiv sucht. Wer über Jahre Erfahrung, Zahlen und konkrete Ergebnisse sichtbar macht, statt sie nur im eigenen Lebenslauf zu dokumentieren, wird für genau die Positionen gefunden, die zum eigenen Profil passen. Bei mir war es keine gezielte Suche nach dieser einen Stelle. Es war die logische Folge davon, über Jahre sichtbar geblieben zu sein.
Dieser verdeckte Stellenmarkt läuft an klassischen Jobbörsen weitgehend vorbei. Positionen mit hoher Verantwortung werden häufig gar nicht ausgeschrieben, sondern über das Netzwerk der Führungskräfte besetzt, die sie am Ende verantworten. Wer nur auf ausgeschriebene Stellen wartet, sieht diesen Teil des Marktes gar nicht erst.
Zwischen Angebot und Unterschrift: Zeit für die Details
Ein Vertragsangebot verdient dieselbe Sorgfalt wie jede andere große Entscheidung. Ich habe mir die Zeit genommen, Vergütungsbestandteile, Zielvereinbarungen und Rahmenbedingungen genau zu verstehen. Offene Fragen habe ich strukturiert gesammelt, statt sie beiläufig in einem Telefonat zu klären, und sie dann im direkten Austausch mit meinem künftigen Arbeitgeber besprochen.
Dazu gehörten auch Punkte wie der Firmenwagen und die konkrete Ausgestaltung der Zielvereinbarung – Details, die im ersten Angebot oft nur skizziert sind und erst im Gespräch Kontur bekommen. Wie hoch der variable Anteil ausfällt, woran er gemessen wird, welche Rahmenbedingungen für Reisetätigkeit und Ausstattung gelten: All das gehört für mich vor der Unterschrift geklärt, nicht danach. Diese Gründlichkeit hat sich ausgezahlt. Am Ende stand ein Vertrag, mit dem sich beide Seiten wohlfühlen, weil beide Seiten genau wissen, worauf sie sich einlassen.
Die Reisetätigkeit realistisch einschätzen
Die neue Position bringt viel Reisetätigkeit mit sich. Bevor ich unterschrieben habe, habe ich mir selbst ein Bild davon gemacht, wie sich der Arbeitsalltag konkret gestalten wird: wie oft Vor-Ort-Termine anfallen, wie sich die deutschlandweite Verantwortung in der Praxis in Wochen und Monaten abbildet, welche Zeiten für Büroarbeit und welche für Objektbesuche eingeplant sind. Nicht aus Misstrauen gegenüber dem neuen Arbeitgeber, sondern weil ich gut vorbereitet starten wollte und nicht in den ersten Monaten von der Realität überrascht werden möchte.
Eine deutschlandweite Zuständigkeit lässt sich auf dem Papier schnell unterschreiben. Wie sie sich im Alltag anfühlt, zeigt sich erst, wenn man sie konkret durchdenkt: Reisezeiten, Erreichbarkeit, die Frage, wie viele Tage im Monat tatsächlich vor Ort verbracht werden. Diese Klarheit vorab zu schaffen, gehört für mich zur selben Sorgfalt wie die Prüfung der Vertragsdetails.
Der persönliche Kontakt macht den Unterschied
Von der ersten Nachricht bis zur finalen Vertragsabstimmung war die Kommunikation direkt und wertschätzend. Rückfragen wurden zeitnah beantwortet, Zwischenstände offen kommuniziert, Entscheidungen nachvollziehbar begründet. Genau daran lässt sich schon vor dem ersten Arbeitstag ablesen, in welchem Umfeld man sich künftig bewegt.
Für mich war das ein starkes Signal, dass hier ein Umfeld entsteht, in dem ich mich gerne einbringen möchte. Wie ein Unternehmen im Bewerbungsprozess kommuniziert, ist selten Zufall. Es zeigt, welche Kultur im Alltag tatsächlich gelebt wird, lange bevor der erste Arbeitstag beginnt.
27 Bewerbungen, ein Ergebnis
Parallel zu diesem Kontakt lief der klassische Bewerbungsweg weiter. Seit Anfang Juli habe ich 27 Bewerbungen versendet. 18 davon endeten mit einer Absage, 11 davon ohne ein einziges Gespräch, obwohl ich jeweils alle Anforderungen erfüllt habe. 7 Bewerbungen sind bis heute offen, ganz ohne Rückmeldung.
Diese Erfahrung ist kein Ausreißer. In einer aktuellen Befragung von 1.052 aktiv Jobsuchenden in Deutschland gaben 84,2 Prozent an, bereits erlebt zu haben, dass ein Arbeitgeber nach Bewerbung oder Vorstellungsgespräch überhaupt nicht mehr reagiert.2 Ghosting im Recruiting ist damit für die meisten Bewerberinnen und Bewerber Alltag, nicht Ausnahme. Jede vierte Person aus dieser Befragung erlebt es sogar bei mehr als der Hälfte aller Bewerbungen.
Der Weg, der mich tatsächlich zum Ziel geführt hat, war keine dieser 27 Bewerbungen, sondern die eine Nachricht auf LinkedIn. Die 27 Bewerbungen waren nicht umsonst, sie haben mir gezeigt, wie unterschiedlich Prozesse laufen können und wo Unternehmen im Umgang mit Bewerberinnen und Bewerbern noch Nachholbedarf haben.
Manche Absagen kamen sachlich und mit kurzer Begründung, andere gar nicht. Der Unterschied zwischen diesen beiden Erfahrungen ist erheblich: Eine Absage mit Begründung lässt sich einordnen und für die nächste Bewerbung nutzen. Sieben Bewerbungen, auf die bis heute keine Reaktion kam, hinterlassen dagegen offene Fragen, ohne dass sich daraus etwas lernen lässt.
Ab dem 1. Oktober in neuer Rolle
Ab dem 01.10.2026 starte ich als „Head of Infrastructural Facility Management“ in einen neuen Job. Die Themen sind mir aus Jahren im infrastrukturellen Facility Management vertraut, neu ist die Seite, von der aus ich sie künftig bearbeite: Ich sitze auf Kundenseite und richte meinen Blick auf die verschiedenen Dienstleister, die für die Umsetzung vor Ort verantwortlich sind. Aus der operativen Führung eines Dienstleisters wird die Steuerung mehrerer Dienstleister aus Sicht des Auftraggebers.
Ein Wechsel in dieses neue Terrain bringt eine eigene Lernkurve mit sich. Genau darin liegt für mich der Reiz an dieser Aufgabe, nach Jahren im infrastrukturellen Facility Management auf der anderen Seite des Tisches.
Der klassische Bewerbungsweg bleibt zäh und oft ernüchternd, mit langen Wartezeiten und wenig Feedback. Ein gepflegtes Netzwerk und Sichtbarkeit im richtigen Moment können den entscheidenden Unterschied machen. Am Ende zählt für mich, ob das Match aus fachlicher und menschlicher Sicht stimmt. Bei dieser Position hat beides gepasst, und ich freue mich auf die neue Aufgabe.
Quellen
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Stellen werden häufig über persönliche Kontakte besetzt, IAB-Kurzbericht auf Basis der IAB-Stellenerhebung: IAB-Kurzbericht als PDF ↩
- OnlineMarketing.de: Was Ghosting mit Jobsuchenden macht, 18.03.2026: Was Ghosting mit Jobsuchenden macht ↩
Linkprüfung: 26.08.2026




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