Zwei Tage Event mit der RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung e. V.
Club Future 2026: Mein Rückblick auf zwei Tage Smart Work in Fürth
Zurück aus Fürth, und ich musste erst einmal die Eindrücke sortieren. Zwei Tage Club Future im Sportpark Ronhof liegen hinter mir, und ich nehme es vorweg: Es war ein fantastisches Event. Jedes der drei Ziele, mit denen ich angereist bin, habe ich erreicht. Damit war es eine rundum gute Veranstaltung, auch, für meine Wünsche und Erwartungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Alle drei Ziele erreicht: digitale Lösungsansätze identifiziert, Gespräche mit erfahrenen Entscheidern geführt, eine klare Reihenfolge für Smart-Work-Prinzipien für mich abgesteckt.
- Das neue Format der Content Hubs hat den Austausch über das Fokusthema „Smart Work“ spürbar verändert – Diskussion statt Frontalvortrag, und die Hubs waren durchweg voll besetzt.
- Die Keynote von Gerald Asamoah war der emotionale Höhepunkt und in Sachen Motivation und Zusammenhalt mehr als nur Rahmenprogramm.
Eine Auszeichnung, die den Auftraggeber in die Pflicht nimmt
Zum Auftakt des zweiten Tages wurde es kurz feierlich: Die RAL Gütegemeinschaft zeichnete die SpVgg Greuther Fürth aus – als Kunde des RAL-Mitgliedsbetriebs AGS Wild & Panda Building Management GmbH und für die langjährige, partnerschaftliche Zusammenarbeit der beiden. Eine Geste, die im Stadion des Vereins eine besondere Note hatte.
Diese Auszeichnung, die intern gern als „RAL-Oskar“ bezeichnet wird, ist mehr als eine freundliche Verbeugung vor einer guten Geschäftsbeziehung. Die RAL Gütegemeinschaft verleiht den Preis regelmäßig an Kundenunternehmen ihrer Mitgliedsbetriebe – und das Entscheidende ist, wofür. Prämiert wird nicht reines Beziehungsmanagement, sondern die operativen Rahmenbedingungen. Ausgezeichnet werden Auftraggeber, die nachweislich alle strukturellen Voraussetzungen dafür schaffen, dass der eingesetzte Dienstleister seine vertraglichen Leistungen in optimaler Qualität und Störungsfreiheit erbringen kann.
Das ist eine bemerkenswerte Umkehr der üblichen Perspektive. Im Zuge der Verleihung wird nicht nur das ausführende Mitgliedsunternehmen auditiert, sondern auch die Vergabepraxis, die Objektbeschaffenheit und das partnerschaftliche Zusammenwirken des Auftraggebers kritisch analysiert. Für mich trifft genau das einen wunden Punkt der Branche: Qualität in der Gebäudereinigung entsteht nicht allein beim Dienstleister, sondern in den Bedingungen, die der Auftraggeber setzt. Eine Auszeichnung, die beide Seiten prüft, erkennt damit an, wo gute Dienstleistung wirklich beginnt.
SHE.CONNECT: Sichtbarkeit für Frauen in der Branche
Einen Auftritt, der mir in Erinnerung bleibt, hatte SHE.CONNECT – das Netzwerk der RAL Gütegemeinschaft für Frauen in der Gebäudereinigung. Die Branche wird seit Jahrzehnten maßgeblich von Frauen getragen, im operativen Alltag ebenso wie in der Organisation und zunehmend in Führungspositionen. Trotzdem bleiben ihre Leistungen oft im Hintergrund. Genau hier setzt das Netzwerk an: Es verbindet Frauen aus allen Bereichen der Branche, von der Reinigungskraft bis zur Führungsebene, und macht ihre Perspektiven sichtbar1.
Für mich passt das exakt zum Geist dieser Veranstaltung. Eine zukunftsfähige Gebäudereinigung braucht starke Netzwerke, offenen Austausch und unterschiedliche Perspektiven. Dass ein Branchenevent zu Smart Work auch diesem Thema eine Bühne gibt, ist kein Beiwerk, sondern Teil derselben Entwicklung: Wer die Zukunft der Branche gestalten will, muss alle einbeziehen, die sie tragen.
Warum die Content Hubs den Unterschied gemacht haben
Vor der Veranstaltung hatte ich geschrieben, dass mich gerade das neue Format reizt: keine Bühne, von der gesendet wird, sondern Gesprächsrunden, in denen mehrere Perspektiven aufeinandertreffen. Diese Erwartung wurde nicht enttäuscht. Die Content Hubs ersetzten in diesem Jahr erstmals die klassischen Vorträge, und der Unterschied war im Raum zu spüren. Statt zuzuhören und mitzuschreiben, wurde diskutiert, nachgefragt und Erfahrung ausgetauscht.
Der Veranstalter, die RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung, beschreibt das Format als interaktive Weiterentwicklung der bisherigen Pitches und Powervorträge2. Aus Teilnehmerperspektive kann ich das bestätigen: In fast jedem Hub war kein Platz mehr frei. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Branche genau diese Art von Austausch sucht – konkret, auf Augenhöhe, ohne Distanz zwischen Redner und Publikum.
Besonders die Content Hubs haben deutlich gemacht, welche Themen die Branche aktuell bewegen und welche Lösungen für die Herausforderungen von morgen gefragt sind. Von Innovationen und Digitalisierung über nachhaltige Konzepte bis hin zu Fachkräftethemen – der Austausch war praxisnah, konstruktiv und zukunftsorientiert. Immer wieder führten die Diskussionen zum Thema Künstliche Intelligenz zurück, ein deutliches Zeichen für die hohe Relevanz dieser Technologie in unserer Branche. Neben Sessions zu Themen wie „Qualität mit Haltung – Was heißt das in der Zusammenarbeit?“, „Vernetzung aller Partner neu denken“ und „Wissen der Zukunft nachhaltig gestalten“ wurde mir meine Grundeinstellung bestätigt: Im Mittelpunkt stehen die Menschen. Bestehende Beziehungen wurden vertieft, neue Kontakte geknüpft, wertvolle Perspektiven ausgetauscht. Genau diese Begegnungen machen eine Veranstaltung wie den Club Future so wertvoll. Und man muss immer wieder ganz klar sehen, wir arbeiten mit Menschen, für Menschen bei Menschen.
Ein Statement aus einer der Podiumsdiskussionen ist mir dabei besonders im Kopf geblieben. Auf den Satz „Die Gebäudereinigung ist und bleibt eben ein Nasengeschäft“ entgegnete ein Teilnehmer sinngemäß: „Absolut. Die Frage ist nur: Wie sieht die Nase der Zukunft aus?“ Treffender lässt sich der Spagat dieser Branche kaum fassen – das Geschäft lebt von Menschen und persönlichen Beziehungen, und genau diese Beziehungen müssen sich der Zukunft stellen. Auch wenn man die Reinigungsteams oft nicht sieht, so sind sie doch ein Teil des täglichen Lebens. Wann fallen Reinigungskräfte auf? Genau, wenn sie nicht da sind.
Smart Work: vom Schlagwort zur konkreten Frage
Das Fokusthema „Smart Work“ hätte leicht zur Worthülse geraten können. Das ist es jedoch nicht. In den Gesprächen ging es um genau die Fragen, die ich mitgebracht hatte: Welche digitalen Prozesse lassen sich von Anfang an sauber aufsetzen? Wo machen Unternehmen bei der Digitalisierung die typischen Fehler? Welche Werkzeuge nutzen Gebäudedienstleister, die bereits weiter sind?
Ich bin mit der Absicht angereist, mindestens zwei digitale Lösungsansätze zu finden, die ich unmittelbar prüfen kann. Diese habe ich gefunden – und zugleich gemerkt, wie wertvoll die Gespräche mit Entscheidern waren, die Strukturen bereits aufgebaut oder skaliert haben. Wer diesen Weg gegangen ist, benennt die kritischen Stellen, bevor man selbst hineinläuft. Mein drittes Ziel, eine klare Reihenfolge für den Einsatz von Smart-Work-Prinzipien zu entwickeln, hat sich aus genau diesen Gesprächen ergeben. Nicht alles, was digital möglich ist, gehört an den Anfang. Die Kunst liegt in der Reihenfolge – und die habe ich nun deutlich schärfer vor Augen. Ich werde sicherlich noch auf Menschen und Unternehmen zugehen, die bereits einen Schritt weiter sind.
Das Papier-Paradoxon: ein Gespräch, das hängenblieb
Eine Aussage aus einem der Gespräche hat sich bei mir festgesetzt: In der Gebäudereinigung wird die Arbeitszeit noch immer überwiegend auf Papier dokumentiert. Was zunächst nach einer Randnotiz klingt, ist bei näherem Hinsehen ein handfestes Problem – und ausgerechnet eine Branche, die über Smart Work diskutiert, hängt hier in der Vergangenheit fest. Danke Marc, für diesen Hinweis.
Untersuchungen zur Durchsetzung des Mindestlohngesetzes, bei denen auch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls intensiv befragt wurde, zeichnen ein klares Bild3. In Branchen mit mobilen und dezentralen Arbeitsplätzen – und die Gebäudereinigung ist das Musterbeispiel – dominieren nach wie vor Stundenzettel in Papierform und nachträglich befüllte Excel-Tabellen. Für die Prüfer ist genau diese analoge oder halbdigitale Erfassung das größte Einfallstor für Manipulationen: Papierbelege und händische Listen lassen sich nachträglich zurechtbiegen, etwa indem geleistete Überstunden gekürzt werden, um den Mindestlohn rechnerisch einzuhalten. Der Schwabe würde sagen, das hat Geschmäckle.
Für mich ist das kein abstraktes Forschungsergebnis, sondern ein konkreter Ansatzpunkt. In meiner neuen Aufgabe will ich die digitale Zeiterfassung gezielt vorantreiben. Nicht als Selbstzweck und nicht, weil digital grundsätzlich besser klingt, sondern weil eine saubere, manipulationssichere Erfassung beiden Seiten dient: dem Unternehmen, das im Prüfungsfall belastbare Nachweise hat, und den Beschäftigten, deren geleistete Stunden korrekt erfasst und bezahlt werden. Genau hier wird Smart Work greifbar – nicht in der großen Vision, sondern an einer Stelle, an der Digitalisierung ein reales Problem löst.
Gerald Asamoah: mehr als eine Keynote
Im Vorfeld hatte ich geschrieben, dass Gerald Asamoah als Keynote kein Beiwerk ist. Nach seinem Auftritt würde ich es stärker formulieren. Seine persönliche Geschichte, seine Erfahrungen aus dem Spitzensport und seine Einblicke in Motivation, Teamgeist und Zusammenhalt haben das Publikum erreicht – auch den nüchternen Teil davon, zu dem ich mich zähle4.
Was mich besonders beeindruckt hat: Asamoah ist ein Speaker, der kein Skript braucht. Er erzählt authentisch, er antwortet offen auf Fragen – und das auch humorvoll. Man hätte ihm noch deutlich länger zuhören können. Wer auf höchstem Niveau performt hat, obwohl die Bedingungen alles andere als ideal waren, hat etwas zu sagen, das über jede Management-Floskel hinausgeht. Gerald hat offen über Rassismus gesprochen und eine klare Ansage getroffen, dass man gegen diesen steuern muss. Und sind wir ehrlich: Rassismus auf dem Fußballplatz ist genauso schlimm wie in der Gebäudereinigung. Denn gerade in unserer Branche arbeiten nahezu alle Nationen, die in Deutschland ihre neue Heimat gefunden haben. Für jeden, der gerade neue Aufgaben unter Druck und ohne eingespielte Routine übernimmt, war das die relevanteste Stunde dieser zwei Tage.
Was bleibt
Was den Club Future ausmacht, sind am Ende nicht allein die Programmpunkte, sondern die Gespräche zwischen den Sessions: das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern, neue Kontakte, der persönliche Austausch. Genau dafür steht dieses Format, und genau das hat 2026 super funktioniert. Ich nehme konkrete Ansätze mit, eine Handvoll wertvoller Kontakte und ein klareres Bild davon, welche digitalen Schritte in meiner Arbeit zuerst dran sind.
Kein Networking um des Networkings willen, sondern gezielter Wissenstransfer für meine neue Aufgabe – mit vier Jahrzehnten Branchenerfahrung im Rücken, neue Wege in die Zukunft. Genau das habe ich in Fürth bekommen. Und die nächste Ausgabe ist bereits angekündigt – Grund genug, den Termin im Blick zu behalten.
Eine Frage hat mich aus Fürth besonders begleitet: Wie sieht die „Nase der Zukunft“ in unserer Branche aus? Warst du selbst vor Ort – und wenn ja, welcher Moment ist dir hängengeblieben? Oder setzt du in deinem Betrieb bereits auf digitale Zeiterfassung und hast Erfahrungen gemacht, die andere weiterbringen? Schreib es in die Kommentare. Ich bin gespannt, wo die Branche gerade steht.
Quellen
- RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung – SHE.CONNECT, Starke Frauen in der Gebäudereinigung: gggr.de/guetegemeinschaft/she_connect ↩
- RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung – Club Future 2026, Programm und Format: club-future.de/programm ↩
- Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Kooperation mit IZA und SOKO Institut, im Auftrag des BMAS – „Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn: seine Kontrolle und Durchsetzung sowie die bürokratischen Kosten für Arbeitgeber“ (BMAS-Forschungsbericht 563, 2020): iaw.edu – Studie zur Kontrolle und Durchsetzung des Mindestlohns ↩
- RAL Gütegemeinschaft Gebäudereinigung – Offizielle Veranstaltungsmitteilungen zum Club Future 2026: club-future.de ↩



