Seit einigen Tagen ist es zum Teil schon in der Presse zu lesen. Die IG Bau meldete folgendes:

Die Tarifverhandlungen im Gebäudereiniger-Handwerk der IG BAU sind gescheitert. Das hat der Vorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in seiner heutigen Sitzung beschlossen. Er folgt damit der Empfehlung der Tarifkommission im Gebäudereiniger-Handwerk Ende vom vergangenen Donnerstag.

„Das Angebot der Arbeitgeber bedeutet 1,8 Prozent mehr im Westen und 2,1 Prozent mehr im Osten im Durchschnitt auf 12 Monate gerechnet. Das ist für die IG BAU nicht tragbar“, sagt Frank Wynands, Verhandlungsführer für die IG BAU. „Formell bieten die Arbeitgeber drei Prozent mehr, das ist aber eine Mogelpackung: Für 2009 soll es gar keine Lohnerhöhung geben. Die Erhöhung ab nächstem Jahr soll für eineinhalb Jahre reichen. Deshalb kommt unter dem Strich viel weniger raus“, rechnet Frank Wynands vor. „Wir lassen uns keinen Sand in die Augen streuen.“

Fragt sich nur, wer hier wem Sand in die Augen streut. Der Bundesinnungsverband reagierte heute entsprechend.

Bonn, 11. August 2009

Arbeitgeber äußern ihr Unverständnis über IG BAU Entscheidung zum Scheitern der Tarifverhandlungen im Gebäudereiniger-Handwerk

Der Bundesinnungsverband bedauert, dass die IG BAU einseitig das Scheitern der Tarifverhandlungen für die 860.000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk erklärt hat. „Wir halten das im Zuge der Verhandlungen mehrfach verbesserte Angebot der Arbeitgeber in Höhe von 3 Prozent im Westen und 3,6 Prozent im Osten für 21 Monate angesichts der momentanen Wirtschaftslage für ein sehr faires Angebot.“ bekräftigt BIV-Geschäftsführer Johannes Bungart. Damit hat der Bundesinnungsverband deutlich seine Verhandlungsbereitschaft gezeigt, während die IG BAU konstant auf ihrer völlig absurden Forderung von 8,7 Prozent mehr Lohn für 12 Monate beharrt.

Das Gebäudereiniger-Handwerk ist als unternehmensnahe Dienstleistung direkt wie indirekt von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise betroffen. Die Kunden von Reinigungsunternehmen fahren seit geraumer Zeit Kurzarbeit, sie sind von Insolvenz bedroht und kürzen ihrerseits die Einkommen ihrer eigenen Beschäftigten. Die Konsequenzen sind klar: Wo nicht gearbeitet wird, wird auch nicht gereinigt. Wo die eigenen Beschäftigten Lohnverzicht üben müssen, besteht kein Verständnis für abgehobene Lohnanpassungen der Reinigungsdienstleister.

Der enorme Rückgang der Auftragseingänge in der ersten Jahreshälfte wird auch durch die jetzt leicht positiven ersten Zeichen der Besserung bei einigen Wirtschaftsbereichen nicht aufgefangen. Selbst bei öffentlichen Auftraggebern ist durch die zu erwartenden Steuermindereinnahmen mit einer äußerst schwierigen Preisanpassungsrunde zu rechnen.

Die 3 bzw. 3,6 Prozent Lohnerhöhung sind unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ein mehr als respektables Angebot.

Unter Einbezug der hohen Arbeitslosenzahlen bei gering qualifizierten Menschen fehlt endgültig jegliches Verständnis, warum die IG BAU mit der Kündigung der Tarifverträge und dem Scheitern der Tarifverhandlungen leichtfertig die Mindestlöhne im Gebäudereiniger-Handwerk aufs Spiel setzt.

Quelle: www.gebaeudereiniger.de

Meine Meinung:

Platzt tatsächlich die Bombe und wir verlieren den Mindestlohn zum 01.10.2009, wird ganz einfach folgendes passieren. Neue Verträge werden weit unter den jetzigen Löhnen geschlossen. Befristete Verträge werden nicht verlängert. Einen massiven Streik wird es nicht geben.

Nach Wild-West Manier wird es insgesamt weiteren Preisverfall im Gebäudereiniger Handwerk geben. Schon heute werden Leistungen und Stundenverrechnungssätze angeboten, die jenseits zwischen gut und böse sind.

Die IG Bau wirft den Arbeitgeber vor, das jegliche soziale Verantwortung abhanden gekommen wäre. Ich kann der IG Bau nur vorwerfen, dass sie Realitätsfremd sind und die derzeitige wirtschaftliche Situation nicht begriffen haben.

Einigen sich die beiden Parteien nicht, so wird es einen heißen Herbst und traurige Weihnachten geben.